Romuald Hazoumé / Arbeiten
documenta 12 Arbeiten
Zu lange wurden afrikanische Bildhauer nicht als individuelle Künstler anerkannt, und die reiche Kunst des Kontinents wurde zumeist auf Masken und Figuren reduziert. Wie ihre Ausdruckskraft die Moderne beeinflusst hat, gehört zu den noch nicht zu Ende erzählten Geschichten. Hazoumé hatte begonnen kaélétas anzufertigen, weil er verstehen wollte, warum die Yoruba Masken fertigten. Plastikkanister bilden seinen wichtigsten Werkstoff. Sie sind weit verbreitet und Archetypen nichtrecycelbaren Abfalls.
Er will den verbrauchten, missachteten Dingen etwas von ihrer immateriellen Kraft – aus den zeitlosen Realitäten Benins – zurückgeben. Hinter ihnen liegen Geschichten, sie sind wie Menschen, Dogone (1996), Agassa (1997), Citoyenne (1997), Zebra-Gieter (1997) oder Moon (2003). Die Werke vermitteln auch ein Bild der Gesellschaft, in der er lebt. Auch sie büßt jeden Tag etwas von ihrer Tradition ein. Zugleich gibt er „den Menschen der westlichen Welt das zurück, was ihnen gehört, und das sind die Abfälle einer Konsumgesellschaft“.
Für documenta 12 hat Hazoumé eine neue Arbeit installiert. Ein Boot aus schwarzen Ölkanistern ist im Begriff, von einem schönen Stück Erde abzulegen. Das idyllische Strandbild zeugt davon. Aber die Menschen werden dazu gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Sie flüchten dorthin, wo angeblich alles besser ist. Die äußere Welt, die Folgen der Geschichte nötigen sie dazu. Aber er hat einen Dream (2007), den Wunsch zu bleiben. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Das Boot setzt sich aus 421 Kanistern zusammen. Sie stehen für die Passagiere, die auf solchen Booten unterwegs sind. Es lassen sich sogar individuelle Signaturen erkennen. Hazoumé erhebt hier einen Geltungsanspruch – so korrupt die afrikanischen Länder auch sein mögen. Und man kann sich vorstellen, dass dieses Boot fahrtauglich wird, wenn alle gemeinsam die Löcher in den Ölkanistern verschließen.
(Text / d12)












christinestraszewski schrieb:
skulptural sehr überzeugend!
Geschrieben am 15. June 2007 um 06:54Uhr | Permalink
DOCUMENTA12 - Unwetter trifft diesmal Romuald Hazoumés filigrane Kanisterkunst! « meerschweinchenreport.de schrieb:
[…] erneutes Unwetter über Kassel vernichtete diesmal die dreiteilige Arbeit Dream (2007) von Romuald Hazoumé, wobei es dieser seinem Mannschaftskollegen Ai Weiwei gleich tut und seinen Traum (2007) nach dem […]
Geschrieben am 24. June 2007 um 00:34Uhr | Permalink
Mentrup schrieb:
Die Masken sind faszinierend. Ich sammle zwar selbst lieber alte afrikanische Masken, aber es ist doch erstaunlich, wie der Ausdruck der Tradition in diesen neuen Masken weiter entwickelt wurde.
Geschrieben am 3. September 2007 um 13:03Uhr | Permalink